| |
Die Altdorfer Matchpatrone
Anfangs wurden noch Geschosse von der MF Thun verwendet: im April 1946 fertigte man selber schwere,
37 mm lange Geschosse an. Die Patronen wurden dabei peinlichst genau auf Rundlauf kontrolliert und
allfällig schlechte ausgeschieden. Für den Karabinermatch wurden ausgesuchte Infanteriegeschosse verwendet.
Ebenfalls ist das Hülsenmaterial der verschiedenen Lieferanten einem ausgiebigen Text unterworfen worden.
Die Bemühungen der "Altdorfer" wurden 1948 in London belohnt: Emil Grünig gewann - unvergessen für die
älteren Schützen - an den Olympischen Spielen die Goldmedaille mit dem Stutzer über 300 m.
An den Titelkämpfen in Oslo 1952 wurde August Hollenstein gar Doppelweltmeister. Trotz dieser grossen
Erfolge ruhten die Techniker der MF Altdorf nicht auf den Lorbeeren. Über Jahre hinweg wurden Geschossversuche
in grosser Zahl ausgeführt. Am Problem der Hülsenwürgung und des Ausziehwiderstandes wurde vermutlich
nächtelang gebrütet. Die Wörter "alte Würgung", "neue Würgung" sowie
"mit Rille", "ohne Rille" sind im Laborierbuch seitenlang aufgeführt.
Unter dem Laborierdatum 11.6.60 A ist in Altdorf erstmals eine Matchpatrone mit Tombakgeschoss hergestellt
worden. Das Projektil ist 37 mm lang und ohne Rille gefertigt. Die Hülse besitzt den Bodenstempel DA 4.60 und
ist mit 3,2 g Pulver geladen, ohne Würgung, aber mit einem Fettring versehen.
Verpackt wurden die Patronen in normalen 10er-Packungen und mit grauer Etikette gekennzeichnet. 1961 sind
die Matchhülsen aus Selvemessing mit dem MFA SX-Code laboriert. Die Trainingspatronen tragen zur
Unterscheidung den normalen Bodenstempel. Für das Heimtraining wurden die Patronen - auf Weisung Direktor
Brunners vom 3.10.1965 - mit Stahlmantelgeschossen (11,3 g) der Firma Manurhin laboriert, das Geschoss
besitzt wieder eine Rille und ist gewürgt und gefettet.
|
|
| |
Verbesserte Trefferquoten
Wie dem Eintrag im Laborierbuch vom 25.9.1963 zu entnehmen ist, sind ungefette Patronen aus Tanner-
und Hämmerliwaffen mit Erfolg getestet worden. Ebenfalls ist ersichtlich, dass das Los 6639 vom 25.2.1967
eine Ausbeute von 80% Mouchen erreichte. Ein Jahr später wurde mit dem Los 6303 gar eine Quote von 89%
erzielt. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Mexiko wurde die Leistung mit einem besseren Geschoss
(Laborierdatum 15.6.1968) auf hohe 96% Mouchen gesteigert. Alle diese Tests sind mit einer Ladung von
3,25 g Röhrchenpulver und dem 13-g-Tombakgeschoss ausgeführt worden. Mit dieser Patrone konnte Kurt Müller
die letzte Schweizer 300-m-Olympiamedaille erringen!
Ende der 60er Jahre standen den Matchschützen erstmals 11,3-g- und 13-g-Tombak-Matchpatronen zur
Verfügung. die Etikette auf dem 10er-Päckli wurde 1971 neu gestaltet, mit dem Aufdruck "Tombak-Matchpatronen",
sowie Geschossgewicht und Laborierdatum.
|
|
| |
Nur noch gefettete Patronen
Ab 1974 wurde wiederum eine neue Verpackung, jedoch aus festem Karton, geschaffen. Wie früher ist die
Schachtel mit den Landesfarben und dem Schweizer Kreuz bedruckt.
Das Patronensortiment wurde 1986 mit einer dritten Version erweitert. Auf Wunsch Nationaltrainer Bolligers
konstruierte die MFA ein 12,2-Tombak-Matchgeschoss. Anlässlich einer Trainingswoche im Zürcher Albisgüetli
wurden Tests mit ungefetteten und gefetteten Matchpatronen durchgeführt.
Vor dem Test musste jeder
Kaderschütze den Lauf seiner Waffe peinlich sauber reinigen. Jeder Lauf wurde mit einem Endoskop auf Sauberkeit,
das heisst auf Tombakabrieb, kontrolliert. Zum ersten Durchgang erhielt jeder Testschütze 30 ungefettete
Matchpatronen. In liegender Stellung wurde mit 10 Schüssen der Lauf eingeschossen, um nachher 20
Präzisionsschüsse abzufeuern. Nach dem Programm wurde der Lauf wiederum nach obigem Prozedere gereinigt. Zum
zweiten Durchgang erhielten die Schützen wiederum 30 Patronen, diesmal in gefetteter Ausführung. Nach dem
zweiten Test wurden die beiden Trefferlagen kontrolliert.Mit den gefetteten Patronen wurde ein klar besseres
Resultat erzielt (50% mehr Mouchen). Für Trainer Bolliger war somit die Situation klar. Ab sofort wurden in der
Nationalmannschaft nur noch gefettete Patronen verwendet.
Die Altdorfer Matchpatronen - die in Thun eingelagert waren - wurden deshalb alle ausgepackt, kontrolliert,
zentriert, nachgefettet, und in dieselben Schachteln wieder verpackt. Dies der Grund, weshalb diese Schachteln
mit einem braunen Packband zugeklebt waren und sind!
Infolge Sortimentsbereinigung zwischen den Munitionsfabriken Altdorf und Thun, wurde Mitte 1980 entschieden,
die kleinkalibrige Munition (Gewehr- und Pistolenpatronen) nur noch in Thun zu fertigen. Zur Überbrückung -
bis die neue Matchpatrone in Thun hergestellt werden konnte - laborierte Altdorf einen genügend grossen Vorrat
an Matchmunition für das Nationalkader. Das letzte Los wurde am 15.7.1987 gefertigt. Die letzten Altdorfer
Matchpatronen sind 1992 in Fort Benning (USA) anlässlich der CISM-WM verschossen worden. Damit fand die
Ära der Altdorfer Matchpatronen ein erfolgreiches Ende.
|
|